Umsatzsteuer-ID in Deutschland beantragen: Leitfaden für ausländische Unternehmen
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Umsatzsteuer-ID in Deutschland beantragen: Leitfaden für ausländische Unternehmen

6 Min. Lesezeit Aktualisiert am

Wenn Sie in Deutschland verkaufen, lagern oder importieren, brauchen Sie je nach Warenfluss eine deutsche umsatzsteuerliche Registrierung. Entscheidend ist nicht Ihre Gesellschaftsform, sondern ob in Deutschland steuerbare Umsätze entstehen: lokaler Verkauf, deutsches Lager, Amazon FBA, Pan-EU, Import mit anschließender Lieferung oder innergemeinschaftlicher Erwerb. Die deutsche USt-IdNr. ist dabei nur ein Teil des Prozesses; vorher kommt häufig die Steuernummer des Finanzamts. Ausländische Unternehmen können einen Fiskalvertreter in Deutschland mit ihrer umsatzsteuerlichen Registrierung und ihren Meldungen beauftragen.

Ich bin Jim, MwSt-Spezialist bei Eurofiscalis. Ich begleite französische und internationale Unternehmen bei der Absicherung ihrer Geschäfte in Europa.

Illustration : document d'immatriculation et tampon officiel

Wann brauchen Sie eine Umsatzsteuer-ID in Deutschland?

Schritt 1/5

In welchem Land möchten Sie Ihre Umsatzsteuerpflicht prüfen?

Wählen Sie das betreffende Land. Sie können es jederzeit ändern.

Sie brauchen eine deutsche umsatzsteuerliche Registrierung, sobald Ihr Unternehmen in Deutschland steuerbare Umsätze erklären muss. Das betrifft nicht nur deutsche Gesellschaften. Auch ein ausländisches Unternehmen kann in die deutsche Umsatzsteuer fallen, wenn die Ware, der Leistungsort oder der steuerliche Warenfluss nach Deutschland führt.

Typische Auslöser sind:

  • lokale B2B- oder B2C-Verkäufe aus Deutschland heraus;
  • Lagerbestand in Deutschland, auch bei einem 3PL- oder Fulfillment-Dienstleister;
  • Amazon FBA Deutschland oder Pan-EU-Fulfillment mit deutscher Lagerung;
  • Import in Deutschland mit anschließendem Verkauf der Waren;
  • innergemeinschaftliche Erwerbe in Deutschland;
  • Messen, Events oder Veranstaltungen mit steuerpflichtigen Umsätzen in Deutschland;
  • bestimmte Dienstleistungen, deren Leistungsort in Deutschland liegt.

Steuernummer, USt-IdNr. und ELSTER: die drei Begriffe sauber trennen

Die deutsche Registrierung scheitert oft nicht am Formular, sondern an einer falschen Erwartung an die Nummern. In Deutschland gibt es mehrere Identifikatoren mit unterschiedlichen Funktionen.

BegriffWer vergibt ihn?Wofür er genutzt wird
SteuernummerZuständiges FinanzamtDeutsche Steuererklärungen, Umsatzsteuervoranmeldungen, Korrespondenz mit dem Finanzamt
USt-IdNr.Bundeszentralamt für Steuern (BZSt)Innergemeinschaftliche B2B-Transaktionen, Rechnungen, VIES-Prüfung
ELSTER-ZugangELSTER-PortalElektronische Übermittlung von Formularen und Meldungen

Die Steuernummer ist die lokale deutsche Steuernummer. Sie wird vom zuständigen Finanzamt vergeben und ist für die laufenden deutschen Umsatzsteuerpflichten zentral.

Die USt-IdNr. ist die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer für den innergemeinschaftlichen Handel. Ihr Format lautet DE + 9 Ziffern. Sie gehört auf Rechnungen für relevante B2B-Umsätze innerhalb der EU und kann über VIES geprüft werden.

ELSTER ist dagegen kein Steuerkennzeichen. ELSTER ist der elektronische Zugang, über den Fragebögen, Voranmeldungen und weitere Steuerdaten übermittelt werden.

Wie läuft die Registrierung in Deutschland ab?

Die Registrierung beginnt mit dem zuständigen Finanzamt. Für ausländische Unternehmen hängt die Zuständigkeit häufig vom Sitzland des Unternehmens ab. Für französische Unternehmen wird in der Praxis oft das Finanzamt Offenburg genannt; andere Länder können anderen Finanzämtern zugeordnet sein.

Der Ablauf sieht in der Regel so aus:

  1. Finanzamt bestimmen: Zuständigkeit nach Sitzland, Tätigkeit und Verwaltungszuordnung prüfen.
  2. Dossier vorbereiten: Gesellschaftsdaten, Registerauszug, Satzung, Identität des Geschäftsführers, Nachweis der Unternehmereigenschaft, Tätigkeitsbeschreibung, deutsche Warenflüsse, Lageradresse und Bankdaten zusammentragen.
  3. Fragebogen einreichen: Fragebogen zur steuerlichen Erfassung oder Formular für nicht ansässige Unternehmen ausfüllen, häufig über ELSTER oder nach Vorgabe des Finanzamts.
  4. Rückfragen beantworten: Das Finanzamt kann Belege zu Lagerung, Marktplätzen, Importen, Kundenstruktur oder erwarteten Umsätzen verlangen.
  5. Steuernummer erhalten: Das Finanzamt teilt die deutsche Steuernummer mit und legt Meldepflichten fest.
  6. USt-IdNr. beantragen: Die USt-IdNr. wird über das BZSt vergeben, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

Der Zeitrahmen von etwa 40 Tagen ist ein praktischer Richtwert, kein garantiertes SLA. Unvollständige Unterlagen, falsches Finanzamt oder unklare Warenflüsse verlängern das Verfahren spürbar.

Welche Unterlagen verlangt das Finanzamt?

Das Finanzamt will verstehen, wer der Unternehmer ist, welche Tätigkeit in Deutschland geplant ist und warum eine deutsche Registrierung erforderlich wird. Die konkreten Unterlagen hängen vom Land, der Rechtsform und dem Geschäftsmodell ab.

Häufig vorbereitet werden:

  • Handelsregisterauszug oder Kbis-Äquivalent;
  • Satzung oder Gründungsdokumente;
  • Ausweisdokument des gesetzlichen Vertreters;
  • Nachweis der lokalen Umsatzsteuerpflicht im Sitzland;
  • Beschreibung der deutschen Tätigkeit;
  • Adresse des deutschen Lagers oder Fulfillment-Partners;
  • Amazon-, Marktplatz- oder 3PL-Informationen, falls relevant;
  • Bankdaten für Zahlungen oder Erstattungen;
  • Vollmacht, wenn ein Berater oder Mandataire fiscal handelt.

Dokumente werden in der Praxis oft auf Deutsch oder Englisch akzeptiert. Eine einfache Übersetzung kann ausreichen, wenn das Finanzamt keine beglaubigte Fassung verlangt.

OSS, E-Commerce und Amazon FBA: wann reicht der OSS nicht?

Der OSS und IOSS in Deutschland kann für ausländische Händler attraktiv sein, aber er löst nur einen Teil der Fälle. Er betrifft bestimmte B2C-Fernverkäufe innerhalb der EU, wenn die Waren aus einem EU-Land in ein anderes geliefert werden und kein lokaler Bestand im Zielland entsteht.

Der EU-weite Schwellenwert liegt bei 10.000 EUR für bestimmte grenzüberschreitende B2C-Umsätze. Wird er überschritten, muss grundsätzlich die Umsatzsteuer des Kundenlandes angewendet werden; die Meldung kann über den OSS zentral erfolgen.

Der OSS deckt aber nicht den Fall ab, dass Ware in Deutschland liegt. Bei deutschem Lager, Amazon FBA Deutschland, Pan-EU-Lagerung oder einem deutschen 3PL entsteht regelmäßig ein lokaler Warenfluss. Dann braucht Ihr Unternehmen normalerweise eine deutsche Steuernummer und eine deutsche USt-IdNr. für die passenden Transaktionen.

Was passiert nach Erhalt der deutschen Nummern?

Mit der Registrierung beginnen die laufenden Pflichten. Die deutsche Steuernummer und die USt-IdNr. sind kein Abschluss, sondern der Startpunkt für korrekte Meldungen, Rechnungen und Nachweise.

Typische Folgepflichten sind:

  • Umsatzsteuervoranmeldungen über ELSTER;
  • Zahlung der deutschen Umsatzsteuer nach dem festgelegten Rhythmus;
  • korrekte Rechnungen mit Steuernummer oder USt-IdNr., je nach Umsatzart;
  • Zusammenfassende Meldung (ZM) für relevante innergemeinschaftliche B2B-Umsätze;
  • Intrastat, wenn die deutschen Meldeschwellen überschritten werden;
  • Aufbewahrung von Rechnungen, Importbelegen, Versandnachweisen und Marktplatzreports.

Die deutschen Standardsätze sind 19 % für den Regelfall und 7 % für bestimmte begünstigte Waren und Leistungen. Die Anwendung des reduzierten Satzes muss sachlich begründet sein; eine falsche Einstufung führt schnell zu Nachzahlungen.

Brauchen ausländische Unternehmen einen Fiskalvertreter?

EU-Unternehmen brauchen in Deutschland in der Regel keinen zwingenden Fiskalvertreter in Deutschland. Ein lokaler Bevollmächtigter oder VAT-Dienstleister ist trotzdem oft sinnvoll, weil ELSTER, Rückfragen des Finanzamts, Fristen und deutsche Korrespondenz operativ sauber betreut werden müssen.

Für Unternehmen außerhalb der EU ist die Lage differenzierter. Ein Vertreter, Zustellungsbevollmächtigter oder lokaler Ansprechpartner kann je nach Sitzland, Tätigkeit und Finanzamt erforderlich oder praktisch unvermeidbar sein. Pauschal „immer verpflichtend“ wäre zu grob; der konkrete Fall muss geprüft werden.

Die Kosten für eine reine Registrierung liegen im Markt häufig in einer Größenordnung von 700 bis 1.000 EUR netto. Laufende Deklarationen, ZM, Intrastat, Rückfragen und Prüfungsbegleitung werden separat kalkuliert. Siehe unseren Leitfaden zur Rechnungsstellung in Deutschland.

Fazit: USt-IdNr. Deutschland ohne falsche Abkürzung beantragen

Die deutsche USt-IdNr. lässt sich nicht isoliert betrachten. Der sichere Weg führt über das zuständige Finanzamt, eine saubere steuerliche Erfassung, die Steuernummer und anschließend die USt-IdNr. über das BZSt, sofern Ihr Unternehmen dafür qualifiziert ist. Mehr dazu in unserem Leitfaden zur Umsatzsteuererklärung in Deutschland. Zudem empfehlen wir unsere Leitfäden zur MwSt-Rückerstattung Deutschland und zur Zusammenfassende Meldung und Intrastat Deutschland.

Für ausländische Unternehmen entscheidet vor allem der Warenfluss: deutsches Lager, Amazon FBA, Import, innergemeinschaftlicher Erwerb oder lokale Leistung. Wenn diese Punkte sauber dokumentiert sind, wird aus der Registrierung kein Ratespiel, sondern ein kontrollierter Verwaltungsprozess. Einen vollständigen Überblick bietet unser Leitfaden zur Mehrwertsteuer in Deutschland.


Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Steuernummer und USt-IdNr.?

Die Steuernummer wird vom Finanzamt vergeben und für deutsche Steuererklärungen, Umsatzsteuervoranmeldungen und Korrespondenz verwendet. Die USt-IdNr. wird vom BZSt vergeben, hat das Format DE + 9 Ziffern und dient vor allem innergemeinschaftlichen B2B-Transaktionen.

Ist ELSTER meine deutsche Umsatzsteuer-ID?

Nein. ELSTER ist das elektronische Steuerportal beziehungsweise der Zugang für die Übermittlung von Formularen und Meldungen. Es ersetzt weder die Steuernummer noch die USt-IdNr.

Wann muss ich mich in Deutschland umsatzsteuerlich registrieren?

Eine Registrierung wird typischerweise nötig, wenn Sie in Deutschland steuerbare lokale Umsätze ausführen, Waren in Deutschland lagern, Amazon FBA oder Pan-EU mit deutschem Lager nutzen, in Deutschland importieren und weiterverkaufen, innergemeinschaftliche Erwerbe tätigen oder steuerpflichtige Events beziehungsweise Dienstleistungen in Deutschland erbringen.

Reicht der OSS für Verkäufe nach Deutschland?

Der OSS kann bestimmte B2C-Fernverkäufe ohne deutsches Lager abdecken, insbesondere nach Überschreiten des EU-weiten Schwellenwerts von 10.000 EUR. Er reicht nicht, wenn Ihr Unternehmen Waren in Deutschland lagert oder über FBA/Pan-EU deutsche Bestände nutzt.

Wie lange dauert die Beantragung einer deutschen USt-IdNr.?

Als Richtwert sollten Sie etwa 40 Tage einplanen. Der tatsächliche Zeitraum hängt vom zuständigen Finanzamt, der Vollständigkeit der Unterlagen, Rückfragen und der anschließenden Vergabe der USt-IdNr. über das BZSt ab.

Ist ein Fiskalvertreter in Deutschland verpflichtend?

Für EU-Unternehmen ist ein Fiskalvertreter in der Regel nicht zwingend. Für Nicht-EU-Unternehmen kann ein Vertreter oder Bevollmächtigter je nach Sitzland, Tätigkeit und Anforderungen des Finanzamts erforderlich oder dringend empfehlenswert sein.

Betroffene Länder


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Über den Autor

Jimmy Sagnier

Business Developer

Als Business Developer bei Eurofiscalis unterstützt Jimmy Sagnier E-Commerce-Unternehmen und international tätige Firmen beim Verständnis der europäischen Mehrwertsteuervorschriften. Dank seiner praktischen Erfahrung erklärt er komplexe Steuerth­emen — steuerliche Vertretung, Intrastat, OSS — verständlich und praxisnah, damit Unternehmen konform und sicher im Auslandsgeschäft agieren können.