Mehrwertsteuersätze in der EU 2026: Tabelle nach Land

Mehrwertsteuersätze in der EU 2026: Tabelle nach Land

6 Min. Lesezeit Aktualisiert am

Die Mehrwertsteuersätze in der EU sind nicht einheitlich. Die Europäische Union gibt den rechtlichen Rahmen vor, doch jedes der 27 Mitgliedstaaten legt seinen eigenen Normalsatz, seine ermäßigten Sätze und in einigen Fällen Sonder- oder Zwischensätze fest. Ausländische Unternehmen können einen Fiskalvertreter in Frankreich mit ihrer umsatzsteuerlichen Registrierung und ihren Meldungen beauftragen.

Für Unternehmen, die in mehreren EU-Ländern verkaufen, reicht ein Blick auf den Standardsatz nicht aus. Entscheidend sind das Besteuerungsland, die Art des Kunden, die genaue Produkt- oder Dienstleistungskategorie und das anwendbare Mehrwertsteuerverfahren. Die folgende Übersicht zeigt die EU-Mehrwertsteuersätze 2026 und erklärt, worauf Sie bei B2C, B2B, E-Commerce, OSS und grenzüberschreitenden Verkäufen achten müssen.

Illustration : entrepôt, palettes et camion — Intrastat

Tabelle der Mehrwertsteuersätze in der EU 2026

LandCodeNormalsatzErmäßigte SätzeStark ermäßigter SatzZwischensatz
DeutschlandDE19 %7 %--
ÖsterreichAT20 %10 % / 13 %4,9 %-
BelgienBE21 %12 % / 6 %-12 %
BulgarienBG20 %9 %--
ZypernCY19 %9 % / 5 %--
KroatienHR25 %13 % / 5 %--
DänemarkDK25 %---
SpanienES21 %10 %4 %-
EstlandEE24 %9 %--
FinnlandFI25,5 %14 % / 10 %--
FrankreichFR20 %10 % / 5,5 %2,1 %-
GriechenlandGR24 %13 % / 6 %--
UngarnHU27 %18 % / 5 %--
IrlandIE23 %13,5 % / 9 %4,8 %13,5 %
ItalienIT22 %10 % / 5 %4 %-
LettlandLV21 %12 % / 5 %--
LitauenLT21 %9 % / 5 %--
LuxemburgLU17 %8 % / 14 %3 %12 %
MaltaMT18 %7 % / 5 %--
NiederlandeNL21 %9 %--
PolenPL23 %8 % / 5 %--
PortugalPT23 %13 % / 6 %-13 %
TschechienCZ21 %12 %--
RumänienRO21 %11 %--
SlowakeiSK23 %19 % / 5 %--
SlowenienSI22 %9,5 % / 5 %--
SchwedenSE25 %12 % / 6 %--

Wie ist die Tabelle zu lesen?

Der Normalsatz ist der Mehrwertsteuersatz, der standardmäßig gilt, wenn für eine Ware oder Dienstleistung keine Ermäßigung, Steuerbefreiung oder Sonderregelung vorgesehen ist. Für komplexere EU-Handelsszenarien wie das Innergemeinschaftliche Dreiecksgeschäft gelten besondere Steuerzuordnungsregeln.

Ermäßigte Sätze gelten nur für bestimmte Kategorien, die im nationalen Recht definiert sind: etwa Lebensmittel, Bücher, Arzneimittel, Beherbergung, Personenbeförderung, Kulturleistungen oder bestimmte Bau- und Renovierungsarbeiten. Zwei Länder können denselben ermäßigten Satz haben, ihn aber auf völlig unterschiedliche Produkte anwenden.

Stark ermäßigte Sätze existieren nur in wenigen Mitgliedstaaten. Sie betreffen eng abgegrenzte Bereiche, zum Beispiel bestimmte Grundbedarfsgüter, Veröffentlichungen, Medikamente oder spezifische Dienstleistungen.

Der Zwischensatz, häufig auch Parking Rate genannt, ist ein historisch beibehaltener Sondersteuersatz. Er kommt nur in einzelnen Ländern und für bestimmte Umsätze vor. Operativ ist er selten, aber bei Produktklassifizierungen und ERP-Setups darf er nicht übersehen werden.

Höchster und niedrigster Mehrwertsteuersatz in der EU

Ungarn hat 2026 mit 27 % den höchsten Normalsatz der Europäischen Union. Danach folgen Länder mit Sätzen um 25 %, insbesondere Dänemark, Kroatien, Schweden und Finnland.

Luxemburg liegt mit 17 % am unteren Ende der Skala. Malta wendet 18 % an, Deutschland und Zypern jeweils 19 %.

Diese Rangliste ist für Pricing und Margenkalkulation nützlich, ersetzt aber keine steuerliche Analyse. Für den Bruttopreis zählt nicht nur der Normalsatz. Entscheidend ist, ob das Produkt lokal einem ermäßigten Satz unterliegt und in welchem Land die Steuer tatsächlich geschuldet wird.

Welche EU-Regeln gelten für Mehrwertsteuersätze?

Die EU harmonisiert das Mehrwertsteuersystem, aber nicht die konkreten Sätze jedes Landes. Der gemeinsame Rahmen ergibt sich aus der Mehrwertsteuerrichtlinie.

Der Normalsatz eines Mitgliedstaats muss mindestens 15 % betragen. Oberhalb dieser Schwelle kann jedes Land seinen nationalen Satz selbst festlegen.

Zusätzlich dürfen Mitgliedstaaten ermäßigte Sätze für bestimmte Waren und Dienstleistungen anwenden. Die Richtlinie Directive 2022/542 hat den Anwendungsbereich modernisiert und den Staaten mehr Flexibilität gegeben, insbesondere für soziale, umweltbezogene und gesundheitspolitische Prioritäten.

Für Unternehmen bedeutet das: Ein identisches Produkt kann je nach Land, Verkaufskanal, Kunde und konkreter Warenklassifizierung unterschiedlich besteuert werden.

Was bedeutet das für Verkäufe in der EU?

Der richtige Mehrwertsteuersatz hängt zuerst vom Ort der Besteuerung ab. Bei einem rein lokalen Verkauf gilt grundsätzlich der nationale Satz. Bei grenzüberschreitenden Umsätzen müssen Warenfluss, Kundentyp und Meldeverfahren geprüft werden.

Bei B2C-Fernverkäufen innerhalb der EU wird die Umsatzsteuer in der Regel im Verbrauchsland geschuldet, sobald die EU-weite Schwelle von 10.000 EUR überschritten wird oder das Unternehmen freiwillig das OSS-Verfahren nutzt. Dann muss der Verkäufer den Satz des Lieferlandes des Endkunden anwenden.

Im B2B-Geschäft gelten andere Mechanismen. Innergemeinschaftliche Lieferungen können steuerfrei sein, Dienstleistungen können unter das Reverse-Charge-Verfahren fallen, und der lokale Steuersatz erscheint dann möglicherweise gar nicht auf der Rechnung. Die Nachweis- und Meldepflichten bleiben trotzdem zentral.

Bei Importen kommt es auf das Einfuhrland, den Importeur der Aufzeichnung und das genutzte Zollverfahren an. Der Mehrwertsteuersatz des Ziellandes ist nur ein Teil der Analyse.

Warum ermäßigte Sätze das größte Risiko sind

Der Normalsatz ist meist schnell identifiziert. Die Risiken entstehen fast immer bei ermäßigten Sätzen.

Ein ermäßigter Satz ist keine pauschale Produktentscheidung. Er hängt vom lokalen Recht, der genauen Zusammensetzung, dem Verwendungszweck, der Verpackung, dem Vertriebskanal und teilweise von besonderen Nachweisen ab.

Typische Prüfpunkte sind:

  • gedruckte Bücher und E-Books werden je nach Land nicht immer identisch behandelt;

  • Standardlebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel können in unterschiedliche Kategorien fallen;

  • Bau- und Renovierungsleistungen können nur unter bestimmten Bedingungen ermäßigt sein;

  • Arzneimittel, Medizinprodukte und Kosmetikprodukte folgen nicht zwingend demselben Steuersatz;

  • Inseln, Sondergebiete oder autonome Regionen können abweichende Regelungen haben.

E-Commerce, Marketplaces und OSS: welcher Satz gilt?

Für Onlinehändler, die an Privatkunden in mehreren EU-Ländern verkaufen, gilt grundsätzlich der Mehrwertsteuersatz des Verbrauchslandes. Maßgeblich ist also das Land, in dem der Kunde die Ware erhält. Wie Sie die Steuersätze technisch einrichten, erklärt unser Leitfaden Shopify Mehrwertsteuer einrichten.

Das One-Stop-Shop-Verfahren vereinfacht die Erklärung und Zahlung der Mehrwertsteuer für bestimmte B2C-Fernverkäufe innerhalb der EU. Es vereinfacht aber nicht die Wahl des Steuersatzes. Der Verkäufer muss weiterhin den korrekten Satz je Land und Produkt anwenden.

Marketplaces bringen eine zusätzliche Ebene mit. Je nach Transaktion kann die Plattform für bestimmte Verkäufe als fiktiver Lieferer gelten oder lediglich Transaktionsdaten bereitstellen. Der Verkäufer muss daher prüfen, welche Rolle die Plattform im konkreten Warenfluss spielt.

OSS ersetzt keine lokale Analyse der Steuersätze. Wer über Shopify, Amazon, Prestashop oder ein eigenes ERP verkauft, muss die Steuertabellen regelmäßig aktualisieren und die Produktklassifizierung dokumentieren. Wer PrestaShop nutzt, findet in unserem Leitfaden PrestaShop Mehrwertsteuersätze konfigurieren eine konkrete Konfigurationshilfe.

Häufige Fehler bei EU-Mehrwertsteuersätzen

Der erste Fehler besteht darin, den Steuersatz des Ansässigkeitslandes auf alle EU-Verkäufe anzuwenden. Bei B2C-Fernverkäufen wird dieser Ansatz schnell falsch, sobald der Umsatz im Verbrauchsland steuerbar ist.

Der zweite Fehler ist das Kopieren eines ermäßigten Satzes ohne Prüfung des lokalen Anwendungsbereichs. Ein Satz von 5 %, 7 % oder 10 % sagt noch nichts darüber aus, ob Ihr Produkt in diesem Land wirklich begünstigt ist.

Der dritte Fehler ist eine veraltete Steuertabelle. EU-Länder ändern nicht nur Sätze, sondern auch Produktkategorien und Sonderregelungen. Diese Änderungen müssen in Rechnungssoftware, ERP, Marketplace-Feeds und Checkout-Systemen nachgezogen werden.

Der vierte Fehler ist die Vermischung von Steuersatz und Registrierungspflicht. Einen ausländischen Mehrwertsteuersatz anzuwenden bedeutet nicht automatisch, dass eine lokale Umsatzsteuer-Identifikation erforderlich ist. Je nach Warenfluss kann aber eine OSS-Meldung oder eine lokale Registrierung notwendig sein.

So sichern Sie Ihre Mehrwertsteuersätze in der EU ab

Starten Sie mit dem realen Waren- oder Leistungsfluss, nicht mit dem Land des Verkäufers. Klären Sie Abgangsland, Bestimmungsland, Kundentyp, Produktnatur und Vertriebskanal.

Validieren Sie danach drei Punkte:

  • In welchem Land ist die Mehrwertsteuer geschuldet?

  • Welcher Satz gilt für das konkrete Produkt oder die konkrete Dienstleistung?

  • Welches Meldeverfahren ist richtig: lokale Erklärung, OSS, Reverse Charge, Importverfahren oder Steuerbefreiung?

Dokumentieren Sie die Entscheidung. Eine saubere Mehrwertsteuermatrix pro Land und Produktfamilie erleichtert die Systemkonfiguration, reduziert Rechnungsfehler und beschleunigt die Antwort bei einer Steuerprüfung. Siehe unseren Leitfaden zu Quick Fixes.


Häufige Fragen

Welcher Mindestnormalsatz gilt für die Mehrwertsteuer in der EU?

Der Normalsatz muss in der Europäischen Union mindestens 15 % betragen. Jeder Mitgliedstaat legt seinen eigenen Normalsatz oberhalb dieser Schwelle fest.

Welches EU-Land hat 2026 den höchsten Mehrwertsteuersatz?

Ungarn hat mit 27 % den höchsten Normalsatz in der EU. Dänemark, Kroatien, Schweden und Finnland liegen ebenfalls im oberen Bereich.

Welches EU-Land hat den niedrigsten Normalsatz?

Luxemburg hat mit 17 % den niedrigsten Normalsatz der EU. Malta liegt bei 18 %, Deutschland und Zypern bei 19 %.

Sind ermäßigte Mehrwertsteuersätze in allen EU-Ländern gleich?

Nein. Die EU erlaubt ermäßigte Sätze, aber die begünstigten Kategorien werden national geregelt. Dass zwei Länder denselben Satz haben, bedeutet nicht, dass dieselben Produkte erfasst sind.

Welcher Mehrwertsteuersatz gilt bei Onlineverkäufen an Privatkunden in der EU?

Bei B2C-Fernverkäufen, die im Verbrauchsland steuerbar sind, gilt grundsätzlich der Mehrwertsteuersatz des Landes, in dem der Endkunde die Ware erhält.

Ersetzt OSS die lokalen Mehrwertsteuersätze?

Nein. OSS zentralisiert die Meldung und Zahlung bestimmter B2C-Umsätze. Der Verkäufer muss trotzdem je Land und Produkt den richtigen lokalen Satz berechnen.

Gilt ein ermäßigter Satz automatisch für eine Produktkategorie?

Nein. Die Anwendung hängt vom nationalen Recht, der genauen Produktklassifizierung und teilweise von Bedingungen oder Nachweisen ab. Eine Prüfung pro Land bleibt erforderlich.

Muss ich mich lokal registrieren, wenn ich einen ausländischen Mehrwertsteuersatz anwende?

Nicht automatisch. Je nach Umsatzart kann OSS ausreichen, Reverse Charge greifen oder eine lokale Registrierung notwendig werden. Entscheidend sind Warenfluss, Kundentyp und Meldepflicht.


marie

Über den Autor

Marie Bertrand

Expertin für innergemeinschaftliche MwSt

Expertin für innergemeinschaftliche Mehrwertsteuer bringt Marie Bertrand über 7 Jahre praktische Erfahrung in die Steuerausbildung ein. Mit einer Leidenschaft für die Lehre entschlüsselt sie die europäischen Mehrwertsteuervorschriften — Erklärungen, Intrastat, OSS — und macht sie für Fachleute aller Ebenen klar und umsetzbar.