Kann ich als ausländisches Unternehmen auf TikTok Shop in Deutschland verkaufen?
Ja, aber nicht über ein lokales deutsches Verkäuferkonto. TikTok Shop ist in Deutschland seit März 2025 aktiv, mit eigener Logistiklösung „Fulfilled by TikTok". Für ein Unternehmen ohne Sitz führt der Weg über das grenzüberschreitende Verkäuferprogramm. Zwei Dinge müssen Sie dabei streng trennen: das Verkäuferkonto ist eine geschäftliche Regel von TikTok, die Umsatzsteuer eine steuerrechtliche Pflicht des deutschen Fiskus. Das eine erledigt das andere nicht.
Das „lokale" Verkäuferkonto verlangt eine deutsche Präsenz
Das lokale Verkäuferkonto ist für in Deutschland ansässige Händler gebaut. TikTok verlangt dafür in der Regel eine Gewerbeanmeldung oder einen Handelsregisterauszug, eine deutsche Geschäftsadresse, eine USt-IdNr. und ein deutsches Geschäftskonto. Eine reine Umsatzsteuer-Registrierung reicht nicht aus. Wer diese Nachweise nicht hat, kommt über diesen Weg nicht in den Shop.
Der echte Weg für Nicht-Ansässige: cross-border
Für ausländische Unternehmen ist der Cross-Border-Zugang der richtige Weg. Ein EU-Unternehmen registriert sich zunächst in seinem Herkunftsland und beantragt dann über „Sell Across Europe" den Verkauf auf weiteren Märkten, Deutschland eingeschlossen. Ein Drittlandsunternehmen nutzt das dedizierte Cross-Border-Programm mit seiner Gewerbelizenz und benennt eine verantwortliche Person in der EU für die Produktsicherheit. Diese verantwortliche Person hat nichts mit der Umsatzsteuer zu tun. Sie deckt die Produktkonformität ab (GPSR), nicht den Fiskus.
Was der Nicht-Ansässigen-Status für Ihre Umsatzsteuer ändert
Sobald Sie in Deutschland einen steuerpflichtigen Umsatz auslösen, sind Sie umsatzsteuerlich erfasst, mit oder ohne Betriebsstätte. Ihr Status entscheidet nicht, *ob* Sie deutsche Umsatzsteuer schulden, sondern nur, *wie* Sie sie handhaben. Eine Franchise gibt es für Sie nicht: Die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG steht einem nicht ansässigen Unternehmen nicht offen. Die Pflicht entsteht ab dem ersten steuerpflichtigen Umsatz, nicht ab einem Schwellenwert.
Achtung: Viele Ratgeber im Netz richten sich an deutsche Händler und erwähnen die Grenze von 22 000 € für Kleinunternehmer. Für Sie als Nicht-Ansässigen ist diese Grenze irrelevant. Rechnen Sie die deutsche Umsatzsteuer ab dem ersten Euro ein.
Umsatzsteuer-Registrierung: direkt beim Finanzamt (der Fiskalvertreter ist nicht Ihr Thema)
Ein nicht ansässiges Unternehmen mit steuerpflichtigen Verkäufen in Deutschland registriert sich direkt beim zuständigen Finanzamt, ganz gleich ob EU oder Drittland. Deutschland kennt keinen Pflicht-Fiskalvertreter für steuerpflichtige Umsätze. Das ist der große Unterschied zu einigen anderen Mitgliedstaaten, und es vereinfacht Ihre Lage erheblich.
EU- wie Drittlandsunternehmen registrieren sich direkt
Der Weg ist für beide Gruppen derselbe: Anmeldung beim Finanzamt, Zuteilung einer Steuernummer, auf Antrag eine USt-IdNr. Sie können sich von einem Steuerberater oder Bevollmächtigten unterstützen lassen, das ist Ihre freie Entscheidung. Anders als ein französischer Fiskalvertreter haftet dieser Bevollmächtigte nicht gesamtschuldnerisch für Ihre Steuer. Sie bleiben der Steuerschuldner.
| EU-Unternehmen | Drittlandsunternehmen | |
|---|---|---|
| Fiskalvertreter nötig? | Nein | Nein (bei steuerpflichtigen Umsätzen) |
| Wie registrieren? | Direkt beim Finanzamt | Direkt beim Finanzamt |
| Steuerschuldner | Das Unternehmen selbst | Das Unternehmen selbst |
| Unterstützung | Steuerberater optional | Steuerberater optional |
| Haftung des Beraters | Keine gesamtschuldnerische Haftung | Keine gesamtschuldnerische Haftung |
Warum die Fiskalvertretung (§ 22a UStG) für TikTok-Verkäufe nicht greift
Die deutsche Fiskalvertretung ist ein Sonderfall, kein Standardweg, und für einen TikTok-Verkäufer schlicht nicht anwendbar. Nach §§ 22a bis 22e UStG steht sie nur ausländischen Unternehmern offen, die in Deutschland ausschließlich steuerfreie Umsätze ohne Vorsteuerabzug tätigen. Der klassische Fall ist eine Einfuhr, gefolgt von einer steuerfreien innergemeinschaftlichen Lieferung in einen anderen Mitgliedstaat. Führen Sie auch nur einen einzigen steuerpflichtigen Umsatz in Deutschland aus, etwa eine B2C-Lieferung aus einem deutschen Lager, ist die Fiskalvertretung für das ganze Kalenderjahr verschlossen. Genau das trifft auf TikTok Shop zu. Wenn Sie irgendwo den Begriff „Fiskalvertreter" gelesen haben: Für Ihren Fall ist er das falsche Werkzeug. Sie registrieren sich direkt.
Mein Experten-Tipp: Der Begriff Fiskalvertreter führt viele in die Irre, weil er in Frankreich Pflicht ist und in Deutschland nicht. Wenn Sie wissen wollen, wann die Fiskalvertretung in Deutschland überhaupt sinnvoll ist, lesen Sie unsere Seite zum Fiskalvertreter in Deutschland. Für reine TikTok-Verkäufe brauchen Sie sie nicht.
Zuständiges Finanzamt nach Herkunftsland (UStZustV)
Für ausländische Unternehmen ist nicht das nächstgelegene Finanzamt zuständig, sondern ein zentrales Finanzamt nach Ihrem Herkunftsland. Diese Zuordnung regelt die Umsatzsteuerzuständigkeitsverordnung (UStZustV). Ein paar Beispiele:
- Vereinigtes Königreich: Finanzamt Hannover-Nord
- USA: Finanzamt Bonn-Innenstadt
- Schweiz: Finanzamt Konstanz
- Norwegen: Finanzamt Bremen
- Italien: Finanzamt München
- Niederlande: Finanzamt Kleve
Für Länder ohne eigene Zuordnung greift ein zentral zuständiges Finanzamt. Prüfen Sie Ihre konkrete Zuständigkeit, bevor Sie den Antrag stellen, das erspart Ihnen Wochen Rückläufer.
Führt TikTok Shop die Umsatzsteuer für mich ab?
In bestimmten Fällen ja, aber das befreit Sie nie von Ihrer eigenen Registrierungspflicht. Als elektronischer Marktplatz wird TikTok in zwei Konstellationen selbst zum Steuerschuldner, über die sogenannte Lieferkettenfiktion. In diesen Fällen zieht die Plattform die Umsatzsteuer beim Endkunden ein und führt sie ab. Ihre Pflichten rund um das Lager bleiben davon unberührt. Diese Tabelle zeigt, wer wann die Umsatzsteuer schuldet:
| Verkaufsszenario | Wer zieht die USt ein? | Ihre Pflicht |
|---|---|---|
| Einfuhr, Sendung ≤ 150 €, an einen EU-Kunden | TikTok (über IOSS) | Melden, Buchführung |
| B2C-Verkauf innerhalb der EU durch einen Nicht-EU-Händler | TikTok | Registrieren, wenn Sie Lager in der EU haben |
| Verkauf aus einem EU-Lager durch einen EU-Händler | Sie selbst | Einziehen, melden, abführen |
| B2B-Verkauf oder oberhalb der Schwellen | Sie selbst | Einziehen, melden, abführen |
Was die Lieferkettenfiktion (§ 3 Abs. 3a UStG) abdeckt
Wird TikTok zum fiktiven Lieferer, gilt Ihr Verkauf an die Plattform als steuerfreie B2B-Lieferung, und TikTok rechnet gegenüber dem Endkunden ab. § 3 Abs. 3a UStG setzt die europäische Regel des Artikels 14a MwStSystRL um. Zwei Situationen sind erfasst: der Verkauf durch einen nicht in der EU ansässigen Händler an einen Verbraucher innerhalb der EU, und die Einfuhr von Waren aus einem Drittland in Sendungen bis 150 €. Die Fiktion nimmt Ihnen die Abrechnung gegenüber dem Endkunden ab. Mehr nicht.
Was trotzdem bei Ihnen bleibt
Lagern Sie Ware in Deutschland, bleibt Ihre Registrierungspflicht bestehen, selbst wenn TikTok die Umsatzsteuer auf den Verkauf einzieht. Das Einbringen Ihrer Ware und die fiktive Lieferung an die Plattform sind eigene, meldepflichtige Vorgänge. Bei Ihnen bleiben außerdem die steuerliche Einordnung Ihrer Umsätze, die Buchführung und die Aufbewahrung der Belege. Die Marktplatzhaftung nach § 25e UStG und die Aufzeichnungspflichten nach § 22f UStG setzen genau hier an.
Achtung: „TikTok kümmert sich um meine Umsatzsteuer" ist der teuerste Irrtum in diesem Geschäft. Die Lieferkettenfiktion deckt nur zwei Fälle ab und lässt die Registrierungspflicht bei eigenem Lager in Deutschland immer bestehen.
So registrieren Sie sich als Nicht-Ansässiger zur Umsatzsteuer
Der Einstieg ist der „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung", für ausländische Unternehmen der Vordruck USt 1 TU. Damit meldet sich Ihr Unternehmen beim zuständigen Finanzamt an. Anschließend bauen Sie die weiteren Bausteine auf, die Sie für den Import und die laufenden Meldungen brauchen.
Fragebogen zur steuerlichen Erfassung (USt 1 TU), Steuernummer & USt-IdNr.
Sie reichen den Fragebogen mit den Nachweisen Ihres Unternehmens ein: Registerauszug oder Gründungsdokument, Unternehmensbescheinigung aus dem Herkunftsland, Satzung, Ausweise der Geschäftsführung. Das Finanzamt vergibt zunächst eine Steuernummer, auf Antrag dann eine USt-IdNr. Beide sind nicht dasselbe. Die Steuernummer ordnet Ihr Dossier dem Finanzamt zu. Die USt-IdNr. brauchen Sie für den innergemeinschaftlichen Warenverkehr. Rechnen Sie mit sechs bis zwölf Wochen Bearbeitungszeit.
Mein Experten-Tipp: Beantragen Sie die USt-IdNr. gleich mit, auch wenn Sie zunächst nur national verkaufen. Sobald Sie über OSS oder in ein anderes EU-Lager expandieren, brauchen Sie sie, und ein späterer Nachtrag kostet Sie wieder Wartezeit.
EORI, Voranmeldung und OSS
Sobald Sie Ware nach Deutschland oder in die EU importieren, brauchen Sie eine EORI-Nummer für die Zollabfertigung. Ihre laufende Umsatzsteuer melden Sie über die Umsatzsteuer-Voranmeldung (monatlich oder vierteljährlich, elektronisch über ELSTER) und einmal jährlich über die Umsatzsteuererklärung. Für Fernverkäufe an Verbraucher in anderen EU-Ländern können Sie den One-Stop-Shop (OSS) nutzen. Der EU-weite Schwellenwert von 10 000 € betrifft dabei nur den Ort der Besteuerung Ihrer Fernverkäufe, nicht Ihre Registrierungspflicht wegen eines Lagers. Für einen Nicht-EU-Händler spielt er ohnehin keine Rolle.
Einfuhrumsatzsteuer richtig behandeln
Die Einfuhrumsatzsteuer zahlen Sie beim Zoll und ziehen sie anschließend als Vorsteuer in Ihrer Voranmeldung ab. Das ist kein automatisches Reverse-Charge-Verfahren an der Grenze. Zoll und Finanzamt sind zwei getrennte Behörden, eine direkte Verrechnung zwischen geschuldeter Einfuhrumsatzsteuer und abziehbarer Vorsteuer gibt es nicht. Immerhin mildert ein Zahlungsaufschub nach § 21 UStG den Liquiditätseffekt: Die Einfuhrumsatzsteuer wird dann erst später fällig. Bezahlt und wieder abgezogen wird sie trotzdem.
Mein Experten-Tipp: Planen Sie die Einfuhrumsatzsteuer als Liquiditätsposten ein, nicht als reinen Durchlaufposten. Zwischen der Zahlung beim Zoll und der Erstattung über die Voranmeldung liegen oft mehrere Wochen. Ein Aufschubkonto glättet das spürbar.
Eine Randnotiz zum B2B-Geschäft: Das Reverse-Charge-Verfahren nach § 13b UStG betrifft vor allem Dienstleistungen und Werklieferungen ausländischer Unternehmer. Für gewöhnliche Warenlieferungen greift es in der Regel nicht. Verkaufen Sie also physische Ware aus einem deutschen Lager an ein deutsches Unternehmen, stellen Sie grundsätzlich deutsche Umsatzsteuer in Rechnung.
DAC7 / PStTG: Was TikTok Shop über Sie meldet
TikTok übermittelt dem Fiskus Ihre Identität, Ihre Umsätze und Ihre Kontaktdaten, sobald Sie als aktiver Verkäufer die Meldeschwellen überschreiten. Grundlage ist in Deutschland das Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG), die Umsetzung der EU-Richtlinie DAC7. Das ist keine zusätzliche Steuer, sondern eine Transparenzpflicht der Plattform. Für Sie folgt daraus eine klare Konsequenz: Ihre eigenen Umsatzsteuer-Meldungen müssen zu den Zahlen passen, die TikTok übermittelt. Weichen sie ab, fällt das auf.
Achtung: Bringen Sie Ihre Registrierung und Ihre Meldungen in Ordnung, bevor Sie ernsthaft verkaufen. Die Daten aus dem PStTG landen ohnehin beim Finanzamt, eine nachträgliche Korrektur ist mühsamer als der saubere Start.
Unterstützung beim Verkauf auf TikTok Shop in Deutschland
Der Weg auf TikTok Shop ohne deutschen Sitz ist gut machbar, wenn Sie die zwei Ebenen sauber trennen: das Verkäuferkonto und die Umsatzsteuer. Wir übernehmen für Sie die umsatzsteuerliche Erfassung beim zuständigen Finanzamt, die laufenden Voranmeldungen und die Einordnung Ihrer Verkaufsszenarien, damit Ihre Meldungen zu dem passen, was die Plattform übermittelt. Wenn Sie das Zusammenspiel von Plattform und Umsatzsteuer im Ganzen verstehen wollen, hilft Ihnen unser Überblick zur Umsatzsteuer auf TikTok Shop. Kontaktieren Sie uns für eine Einschätzung Ihres Falls.
Häufige Fragen
Kann ich auf TikTok Shop in Deutschland verkaufen, ohne ein deutsches Unternehmen zu haben?
Ja. Sie verkaufen über den Cross-Border-Weg statt über ein lokales Verkäuferkonto und regeln Ihre deutsche Umsatzsteuer nach Ihrem Status. Ein Sitz in Deutschland ist dafür nicht nötig.
Braucht ein Drittlandsunternehmen einen Fiskalvertreter in Deutschland?
Nein. Für steuerpflichtige Verkäufe verlangt Deutschland keinen Fiskalvertreter, weder von EU- noch von Drittlandsunternehmen. Sie registrieren sich direkt beim zuständigen Finanzamt. Die Fiskalvertretung nach § 22a UStG ist auf rein steuerfreie Umsätze beschränkt.
Was ist der Unterschied zwischen Steuernummer und USt-IdNr.?
Die Steuernummer ordnet Ihr Dossier dem Finanzamt zu und dient den nationalen Meldungen. Die USt-IdNr. ist die Identifikationsnummer für den innergemeinschaftlichen Warenverkehr. Als ausländischer Händler erhalten Sie beide, die USt-IdNr. auf Antrag.
Zahlt TikTok die Umsatzsteuer für mich?
In zwei Fällen ja: bei Sendungen bis 150 € aus einem Drittland und bei B2C-Verkäufen eines Nicht-EU-Händlers innerhalb der EU. In beiden Fällen zieht TikTok die Umsatzsteuer beim Endkunden ein. Ihre Registrierungspflicht wegen eines Lagers in Deutschland bleibt trotzdem bestehen.
Löst ein Warenlager in Deutschland eine Umsatzsteuerpflicht aus?
Ja. Sobald Sie Ware in Deutschland lagern, entsteht eine Registrierungspflicht, unabhängig vom Umsatzvolumen und davon, ob die Plattform die Steuer einzieht. Das Einbringen des Lagers ist selbst ein meldepflichtiger Vorgang.
Gilt die Kleinunternehmerregelung für ausländische TikTok-Shop-Verkäufer?
Nein. Die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG steht einem nicht in Deutschland ansässigen Unternehmen nicht offen. Für Sie gilt die Umsatzsteuerpflicht ab dem ersten steuerpflichtigen Umsatz, ohne Franchise.
Brauche ich eine EORI-Nummer, um über TikTok Shop zu verkaufen?
Ja, sobald Sie Ware nach Deutschland oder in die EU importieren. Die EORI-Nummer ist für die Zollabfertigung erforderlich. Ohne Import Ihrer Ware brauchen Sie sie nicht.
Betroffene Länder