Die komplette Dokumenten-Checkliste für den UK-Import
Vor dem ersten Import vorbereiten
- EORI GB, also eine britische Economic Operator Registration and Identification Number
- Britische Umsatzsteuer-Identifikation bzw. UK VAT Number, wenn Sie in Großbritannien steuerpflichtig werden oder PVA nutzen möchten
- Zollvertretung oder Spediteur, falls Sie die Zollanmeldung nicht selbst einreichen
- Power of Attorney, wenn ein Zollvertreter in Ihrem Namen handeln soll
- Prüfung der Incoterms, insbesondere DDP und DAP
- Prüfung des HS-Codes, der Warenbeschreibung und möglicher Importbeschraenkungen
Dokumente für jede einzelne Sendung
- Handelsrechnung, auch Commercial Invoice genannt
- Packliste, also Packing List
- Transportdokument, zum Beispiel CMR, Air Waybill oder Bill of Lading
- Importzollanmeldung über CDS mit MRN
- Ursprungsnachweis, wenn ein Präferenzzollsatz genutzt werden soll
- Importlizenzen oder Zertifikate für regulierte Waren
- GVMS- oder GMR-Daten, wenn die Route dies erfordert
EORI GB: die Pflichtnummer für den britischen Zoll
Die EORI GB ist die eindeutige Zollnummer Ihres Unternehmens im britischen System. Sie wird für Einfuhren nach Großbritannien benötigt und muss auf den Zollunterlagen korrekt angegeben werden Hierbei kann ein Fiskalvertreter im Vereinigten Königreich helfen.
Eine EORI aus einem EU-Mitgliedstaat ersetzt die britische EORI nicht. Seit dem Brexit behandelt Großbritannien EU-Unternehmen zollrechtlich wie Drittlandsunternehmen. Wer regelmäßig nach England, Schottland oder Wales liefert, sollte die GB-EORI deshalb vor der ersten Sendung beantragen. Schritt für Schritt erklärt unser Leitfaden EORI-Nummer beantragen.
UK VAT Number und PVA: warum die VAT-Registrierung wichtig ist
Eine britische Umsatzsteuer-Identifikation bzw. UK VAT Number ist vor allem dann entscheidend, wenn Sie in Großbritannien als Importeur auftreten, in DDP verkaufen oder die Einfuhrumsatzsteuer über Postponed VAT Accounting abrechnen möchten.
PVA bedeutet, dass die Import VAT nicht sofort beim Grenzübertritt bezahlt wird. Stattdessen wird sie in der britischen VAT Return erklärt. Für Unternehmen ist das ein erheblicher Liquiditaetsvorteil, weil der britische Standardsatz bei 20 % liegt. Details zum Verfahren in unserem Leitfaden zu PIVA UK.
Ohne PVA kann die Import VAT bei jeder Sendung direkt fällig werden. Bei hohem Warenwert oder regelmäßigen Lieferungen wird das schnell zu einem echten Cashflow-Problem.
Handelsrechnung: das zentrale Dokument für die Zollbewertung
Die Handelsrechnung ist das wichtigste Dokument für die britische Zollabfertigung. HMRC und der Zollvertreter nutzen sie, um Warenwert, Ursprung, Zolltarifnummer und steuerliche Behandlung zu pruefen.
Eine belastbare Commercial Invoice sollte mindestens enthalten:
- Vollständige Angaben zu Verkäufer und Käufer
- Rechnungsnummer und Rechnungsdatum
- Genaue Warenbeschreibung
- HS-Code bzw. Zolltarifnummer je Produkt
- Stückzahl, Einzelpreis und Gesamtwert
- Währung der Transaktion
- Incoterm, zum Beispiel DDP oder DAP
- Ursprungsland der Waren
- EORI GB und gegebenenfalls UK VAT Number
Je präziser die Handelsrechnung ist, desto geringer ist das Risiko von Rückfragen, Korrekturen oder Verzollungsverzoegerungen.
Packliste: was die Zollkontrolle physisch prueft
Die Packliste ergänzt die Handelsrechnung. Sie beschreibt nicht den rechtlichen Verkauf, sondern den physischen Inhalt der Sendung.
Sie sollte angeben:
- Anzahl der Packstücke
- Inhalt jedes Kartons, jeder Palette oder jedes Containers
- Bruttogewicht und Nettogewicht
- Abmessungen der Packstücke
- Referenzen, die zur Handelsrechnung passen
Die Packliste muss mit der Handelsrechnung konsistent sein. Unterschiedliche Mengen, Gewichte oder Produktbezeichnungen fuehren häufig zu Rückfragen bei der Zollabfertigung.
Transportdokument: Nachweis für den Warenverkehr
Das Transportdokument belegt, wie die Ware nach Großbritannien gelangt. Die Form haengt vom Transportweg ab.
Bei Strassentransporten ist in der Regel der CMR-Frachtbrief relevant. Bei Luftfracht wird ein Air Waybill verwendet. Bei Seefracht kommt ein Bill of Lading zum Einsatz.
Das Transportdokument muss mit Handelsrechnung und Packliste zusammenpassen. Besonders wichtig sind Absender, Empfänger, Warenreferenzen, Gewicht, Anzahl der Packstücke und Lieferroute.
CDS, MRN und Zollanmeldung: der formale Importprozess
Die britische Importzollanmeldung wird elektronisch über den Customs Declaration Service, kurz CDS, abgegeben. In der Praxis erledigt das meist ein Spediteur oder Zollvertreter.
Nach Annahme der Anmeldung wird eine MRN erzeugt. Diese Movement Reference Number dient als Nachweis, dass die Zollanmeldung eingereicht wurde, und ermöglicht die Nachverfolgung der Abfertigung.
Ohne korrekte CDS-Anmeldung und MRN kann die Ware nicht ordnungsgemäß in den freien Verkehr überfuehrt werden.
Ursprungsnachweis: wann Zollfreiheit möglich ist
Das Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich kann für Waren mit präferenziellem EU-Ursprung Zollvorteile ermöglichen. Voraussetzung ist ein korrekter Ursprungsnachweis.
In vielen Fällen erfolgt dieser Nachweis über eine Ursprungserklaerung auf der Handelsrechnung. Entscheidend ist aber, dass die Ware die Ursprungsregeln tatsächlich erfuellt. Eine reine Versendung aus der EU reicht nicht aus, wenn die Ware keinen EU-Präferenzursprung hat.
Lizenzen, Zertifikate und regulierte Waren
Bestimmte Waren dürfen nur mit zusätzlichen Dokumenten nach Großbritannien importiert werden. Dazu können Lebensmittel, tierische Produkte, Pflanzen, Chemikalien, Medizinprodukte, Kosmetika, Dual-Use-Güter oder andere regulierte Waren gehoeren.
Die Prüfung beginnt beim HS-Code. Aus dem Zolltarif und der Warenart ergibt sich, ob eine Importlizenz, ein Gesundheitszeugnis, ein Konformitaetsnachweis oder eine Voranmeldung erforderlich ist.
DDP, Power of Attorney und Zollvertretung
Bei DDP, also Delivered Duty Paid, übernimmt der Verkäufer die Verantwortung für Einfuhr, Zollabgaben, Import VAT und Lieferung bis zum Kunden. Für auslaendische Unternehmen ist das operativ anspruchsvoll, weil sie in Großbritannien als Importeur auftreten.
Wenn ein Zollvertreter oder Spediteur die Anmeldung einreichen soll, benötigt er eine Power of Attorney. Diese Vollmacht erlaubt ihm, in Ihrem Namen gegenüber den britischen Zollbehoerden zu handeln.
Ich bin Jim, MwSt-Spezialist bei Eurofiscalis. Ich begleite franzoesische und internationale Unternehmen bei der Absicherung ihrer Geschäfte in Europa. Mein praktischer Rat: Klären Sie DDP, EORI GB, UK VAT Number und PVA immer vor dem ersten Versand. Nach Abfahrt der Ware wird jede Korrektur teurer und langsamer.
GVMS und GMR: wichtig für Ro-Ro-Verkehre
Das Goods Vehicle Movement Service, kurz GVMS, ist für bestimmte Ro-Ro-Routen nach Großbritannien relevant, insbesondere bei Faehren und Eurotunnel. Die Zollinformationen werden vorab zusammengeführt, damit der Transporteur eine Goods Movement Reference, kurz GMR, erzeugen kann. Siehe unseren Leitfaden zur Einfuhrumsatzsteuer im Vereinigten Königreich.
Die GMR ist für den Fahrer praktisch der Zugangscode zur Überfahrt. Fehlt sie oder sind die Daten falsch, kann die Ware bereits vor der Einschiffung blockiert werden. Erfahren Sie, wie Sie eine Umsatzsteuernummer im Vereinigten Königreich erhalten. Den vollständigen Überblick bietet unser Leitfaden zur Mehrwertsteuer im Vereinigten Königreich.
Häufige Fragen
Brauche ich immer eine EORI GB für den Import nach Großbritannien?
Ja, wenn Ihr Unternehmen als Importeur für Waren nach Großbritannien auftritt, benötigen Sie eine EORI-Nummer mit GB-Präfix. Eine EU-EORI ist für britische Zollformalitäten nicht ausreichend.
Die EORI GB sollte vor der ersten Sendung beantragt und anschliessend konsistent auf Handelsrechnung, Zollvollmacht und Zollanmeldung verwendet werden.
Ist eine UK VAT Number für jeden Import zwingend erforderlich?
Nicht in jedem theoretischen Fall, aber in der Praxis ist sie für regelmäßige Importe, DDP-Verkaeufe und Postponed VAT Accounting sehr wichtig.
Ohne britische VAT-Registrierung können Sie PVA in der Regel nicht sinnvoll nutzen. Dann kann die Import VAT mit dem Standardsatz von 20 % direkt bei der Einfuhr fällig werden.
Was ist Postponed VAT Accounting?
Postponed VAT Accounting, kurz PVA, ist ein britisches Verfahren, mit dem die Import VAT nicht unmittelbar an der Grenze bezahlt wird. Sie wird stattdessen in der britischen VAT Return erklärt.
Das verbessert die Liquiditaet, weil Unternehmen die 20 % Import VAT nicht für jede Sendung vorfinanzieren müssen.
Welche Angaben muss die Handelsrechnung für den UK-Import enthalten?
Die Handelsrechnung sollte Verkäufer, Käufer, Rechnungsnummer, Datum, genaue Warenbeschreibung, HS-Code, Warenwert, Währung, Incoterm, Ursprungsland, EORI GB und gegebenenfalls UK VAT Number enthalten.
Sie ist die Grundlage für Zollwert, Zolltarifierung, Ursprung und Berechnung von Zollabgaben und Import VAT.
Wann brauche ich einen Ursprungsnachweis?
Ein Ursprungsnachweis ist erforderlich, wenn Sie für Waren mit präferenziellem Ursprung einen reduzierten oder zollfreien Satz nach dem EU-UK-Handelsabkommen nutzen möchten.
Der Nachweis erfolgt häufig über eine Ursprungserklaerung auf der Handelsrechnung. Die Ware muss die Ursprungsregeln tatsächlich erfuellen.
Was sind GVMS und GMR?
GVMS steht für Goods Vehicle Movement Service. Es ist ein britisches System für bestimmte Ro-Ro-Verkehre, etwa Faehren und Eurotunnel.
Die GMR, also Goods Movement Reference, buendelt die relevanten Zollreferenzen für eine Fahrzeugbewegung. Ohne korrekte GMR kann die Überfahrt verweigert werden.
Welche Dokumente sind bei DDP-Lieferungen nach Großbritannien besonders wichtig?
Bei DDP brauchen Sie besonders sorgfältig vorbereitete Zoll- und Steuerunterlagen: EORI GB, UK VAT Number, Handelsrechnung, Packliste, Transportdokument, CDS-Anmeldung, MRN und Power of Attorney für den Zollvertreter.
Da der Verkäufer bei DDP die Einfuhrverantwortung trägt, müssen Import VAT, Zollabgaben und Zollvertretung vor dem Versand geklaert sein.
Betroffene Länder