PrestaShop-Mehrwertsteuersätze richtig konfigurieren
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PrestaShop-Mehrwertsteuersätze richtig konfigurieren

6 Min. Lesezeit Aktualisiert am

Die PrestaShop-Mehrwertsteuersätze werden nicht direkt am Produkt als rohe Steuer hinterlegt: Sie erstellen zuerst Steuern, bauen daraus Tax Rules bzw. Steuerregelgruppen und weisen dem Produkt anschließend eine Tax rule zu. Im Back Office arbeiten Sie dafür vor allem mit International > Taxes, Add new tax rules group und Catalog > Products im Bereich Pricing oder Prices. Ich bin Jim, MwSt-Spezialist bei Eurofiscalis. Ich begleite französische und internationale Unternehmen bei der Absicherung ihrer Geschäfte in Europa.

Illustration : calculatrice et taux de TVA

Wie funktionieren PrestaShop-Mehrwertsteuersätze?

PrestaShop trennt Steuern von Steuerregeln. Diese Trennung ist der wichtigste Punkt, weil viele Fehlkonfigurationen entstehen, wenn eine Steuer als geografische Regel verstanden wird. Eine vergleichbare Konfigurationslogik gilt für Shopify Mehrwertsteuer einrichten.

Unter International > Taxes finden Sie zwei Ebenen:

EbeneAufgabeBeispiel
TaxesName, Steuersatz, AktivstatusMwSt Deutschland 19 %
Tax Rules / SteuerregelgruppenLand, Staat, Postleitzahlbereich, Verhalten, zugeordnete SteuerDeutschland + 19 %
ProduktZuordnung zu einer SteuerregelgruppeProdukt A nutzt EU Standard VAT

Ein Produkt nutzt also eine Tax rule, nicht eine rohe Steuer. Die Steuer selbst enthält keinen vollständigen geografischen Anwendungsbereich. Land, Region oder Postleitzahlbereich gehören in die Steuerregel.

Globale Steueroptionen im Back Office prüfen

Bevor Sie einzelne Sätze anlegen, müssen die globalen Steueroptionen stimmen. In International > Taxes steuern Sie, ob und wie PrestaShop die konfigurierten Regeln im Checkout auswertet.

Prüfen Sie mindestens diese Optionen:

  • Enable tax: aktiviert oder deaktiviert die Steuerberechnung.

  • Display tax in cart bzw. Display tax in the shopping cart: steuert die Anzeige der Steuer im Warenkorb.

  • Based on: legt fest, ob PrestaShop die Lieferadresse oder Rechnungsadresse verwendet.

  • Use ecotax: aktiviert die Ökosteuer, falls sie für Ihre Produkte und Märkte relevant ist.

Standardmäßig ist die Lieferadresse die Referenz für die Steuerberechnung. Die Rechnungsadresse kann über Based on als Option gewählt werden. Diese Entscheidung ist nicht kosmetisch: Bei abweichender Liefer- und Rechnungsadresse kann sie den angewendeten Satz verändern.

Neue Steuer und Steuerregelgruppe anlegen

Die saubere Reihenfolge lautet: Steuer erstellen, Steuerregelgruppe erstellen, Regelzeilen definieren. Eine neue Steuer allein reicht nicht, damit PrestaShop sie im richtigen Land anwendet.

Gehen Sie im Back Office so vor:

  1. Öffnen Sie International > Taxes.

  2. Erstellen Sie unter Taxes den Steuersatz, zum Beispiel MwSt Deutschland 19 %.

  3. Wechseln Sie zu den Steuerregeln und klicken Sie auf Add new tax rules group.

  4. Legen Sie eine Regelzeile für Land, optional Staat und Postleitzahlbereich an.

  5. Wählen Sie das Verhalten, wenn mehrere Regeln greifen: This Tax Only, Combine oder One After Another.

  6. Verknüpfen Sie die passende Steuer mit dieser Regelzeile.

  7. Speichern und aktivieren Sie die Gruppe erst nach einem Checkout-Test.

Für Standardfälle reichen klare Länderregeln. Für Sondergebiete, Bundesstaaten oder Postleitzahlbereiche brauchen Sie separate Zeilen, damit PrestaShop nicht eine generische Regel auf einen Sonderfall anwendet.

Produkte mit der richtigen Tax rule verbinden

Die Produktseite ist der Ort der Zuordnung, nicht der Ort der Steuerlogik. In Catalog > Products öffnen Sie das Produkt und wählen im Bereich Pricing oder Prices die passende Tax rule aus.

PrestaShop berechnet anschließend den Bruttopreis aus Nettopreis und Steuerregel. Bei größeren Katalogen sollten Sie deshalb nicht nur die Steuern pflegen, sondern auch kontrollieren, welche Produkte auf welche Steuerregelgruppe zeigen.

Typische Prüfpunkte:

  • physische Produkte mit Standardsatz;

  • Produkte mit reduziertem Satz;

  • digitale Leistungen oder Services;

  • Abonnements und wiederkehrende Produkte;

  • Versandkosten, wenn sie steuerlich anders behandelt werden.

Beispiele: Frankreich, Deutschland und Schweiz

Ländersätze müssen als steuerliche Realität gepflegt werden, nicht als Kopie eines Nachbarlandes. Frankreich, Deutschland und die Schweiz zeigen gut, warum pauschale EU-Regeln in PrestaShop gefährlich sind.

LandStandardsatzEinordnung in PrestaShop
Frankreich20 %eigene Steuer und Regelzeile für Frankreich
Deutschland19 %eigene Steuer und Regelzeile für Deutschland
Schweiz8,1 %Drittlandregel, seit 2024 mit 8,1 % Standardsatz

Der deutsche Standardsatz liegt bei 19 %. Verwenden Sie Deutschland nicht als fiktives Beispiel fuer eine Satzänderung. Wenn sich ein Satz ändert, aktualisieren Sie die betroffene Steuer und prüfen danach alle Steuerregelgruppen und Produkte, die diese Steuer nutzen.

EU-Fernverkäufe und OSS sauber einordnen

PrestaShop ersetzt keine OSS-Analyse. Die EU-weite Fernverkaufsschwelle von 10.000 EUR betrifft grenzüberschreitende B2C-Umsätze innerhalb der EU. Nach Überschreiten der Schwelle brauchen Sie je nach Fluss OSS oder lokale Registrierung.

PrestaShop kann Länderregeln anwenden, wenn Sie diese korrekt konfigurieren. Es entscheidet aber nicht automatisch, ob Ihre Verkäufe OSS-pflichtig sind, ob eine lokale Registrierung erforderlich ist oder ob ein bestimmter Umsatz überhaupt in den OSS gehört.

Für EU-B2C-Verkäufe prüfen Sie vor der Konfiguration:

  • ob die 10.000-EUR-Schwelle überschritten ist;

  • welche Länder beliefert werden;

  • ob Waren, digitale Leistungen oder sonstige Services verkauft werden;

  • ob ein externer Steuer-Motor oder ein OSS-Prozess eingesetzt wird;

  • ob Rechnungen, Meldungen und PrestaShop-Regeln dieselbe Logik verwenden.

Verkäufe außerhalb der EU und Sondergebiete konfigurieren

0 % oder no tax ist nur korrekt, wenn der steuerliche Fluss es erlaubt. Bei Kunden außerhalb der EU kann europäische MwSt entfallen, aber nur abhängig von Exportnachweis, Lieferland, Kundentyp, Incoterms und Art der Leistung. Für die korrekte Ausfuhrrechnung lesen Sie unseren Leitfaden zur Rechnung für den Export im E-Commerce.

Legen Sie deshalb keine globale Steuerbefreiung für alle Drittlandkunden an. Erstellen Sie eigene Regeln für die betroffenen Länder oder Zonen und prüfen Sie, ob ein Satz von 0 %, keine Steuer oder eine lokale Drittlandlogik passt.

Für DOM und andere Überseegebiete gilt dieselbe Vorsicht. Sie brauchen dedizierte Regeln nach Gebiet, PrestaShop-Struktur und anwendbarer Gesetzgebung. DOM/Überseegebiet bedeutet nicht automatisch steuerfrei.

Beispiele für eigene Regeln:

  • Guadeloupe oder Martinique mit dedizierter Zone oder Regelzeile;

  • Schweiz als Drittland mit 8,1 % Standardsatz, falls Sie lokale Schweizer MwSt fakturieren müssen;

  • Nicht-EU-Export mit 0 % nur bei belastbarer Exportlogik;

  • B2B-Leistung außerhalb der EU nach gesonderter Leistungsortprüfung.

VIES und B2B-Kunden: hilfreich, aber nicht magisch

VIES ist ein Kontrollinstrument, keine universelle native Automatik in PrestaShop. Für innergemeinschaftliche B2B-Verkäufe ist die Prüfung der USt-IdNr nützlich, aber PrestaShop sollte nicht so dargestellt werden, als würde es ohne Modul, Integration oder Prozess jede Validierung automatisch und rechtssicher erledigen.

Sichern Sie B2B-Szenarien über einen klaren Prozess ab:

  • USt-IdNr erfassen;

  • VIES-Prüfung oder externe Validierung auslösen;

  • Ergebnis dokumentieren;

  • Steuerregel für B2B-Flow anwenden;

  • Rechnung und Buchhaltung mit derselben Logik abstimmen.

Checkout-Tests vor dem Go-live

Die Konfiguration ist erst fertig, wenn der Checkout die richtigen Beträge zeigt. Testen Sie nicht nur die Back-Office-Maske, sondern den kompletten Kaufprozess bis zur Bestellübersicht.

Mindestens diese Szenarien gehören in den Testplan:

SzenarioWas geprüft wird
Frankreich B2C20 % auf Produkt und Versand, wenn anwendbar
Deutschland B2C19 % ohne fiktive Erhöhung
Schweiz8,1 % oder Drittlandlogik je nach Setup
EU-B2B mit USt-IdNrVIES-/Validierungsprozess und Steuerregel
Nicht-EU-Kunde0 %/no tax nur bei zulässigem Fluss
DOM/Überseegebietdedizierte Regel statt globaler Befreiung
abweichende RechnungsadresseWirkung der Option Based on

Prüfen Sie zusätzlich reduzierte Sätze, Abonnements, Gutscheine, Versandkosten und Stornos. Genau dort treten Abweichungen zwischen Shop, Rechnung und Meldung meistens auf. Siehe unseren Leitfaden zu Mehrwertsteuersätze der EU Tabelle.


Häufige Fragen

Wo konfiguriere ich PrestaShop-Mehrwertsteuersätze?

Im Back Office unter `International > Taxes`. Dort pflegen Sie `Taxes` mit Name, Satz und Status sowie `Tax Rules` bzw. Steuerregelgruppen für Länder, Staaten, Postleitzahlbereiche und das Verhalten bei mehreren passenden Regeln.

Was ist der Unterschied zwischen Taxes und Tax Rules in PrestaShop?

`Taxes` sind einzelne Steuersätze. `Tax Rules` bestimmen, wann diese Steuer angewendet wird. Die geografische Logik liegt in der Steuerregel, nicht in der Steuer selbst. Genau deshalb sollte ein Produkt nie als direkt mit einer rohen Steuer verbunden beschrieben werden.

Wie weise ich einem Produkt die richtige Steuer zu?

Öffnen Sie `Catalog > Products`, wählen Sie das Produkt und gehen Sie zu `Pricing` oder `Prices`. Dort wählen Sie die passende Tax rule aus. Das Produkt erhält eine Steuerregelgruppe, keine einzelne Steuer.

Berechnet PrestaShop OSS und EU-Fernverkäufe automatisch korrekt?

Nein. PrestaShop kann konfigurierte Länder- und Steuerregeln anwenden. Die OSS-Pflicht, die globale EU-Schwelle von 10.000 EUR und mögliche lokale Registrierungen müssen steuerlich geprüft und im Shop technisch sauber abgebildet werden.

Kann ich für alle Nicht-EU-Kunden einfach 0 % MwSt konfigurieren?

Nur wenn der konkrete Fluss das rechtfertigt. Drittlandverkäufe hängen unter anderem von Exportnachweis, Lieferland, Kundentyp und Leistungsart ab. Legen Sie 0 % oder `no tax` nur für klar geprüfte Zonen und Szenarien an.

Validiert PrestaShop USt-IdNr automatisch über VIES?

Nicht universell nativ. VIES ist für B2B-EU-Flüsse hilfreich, aber Sie brauchen je nach Setup ein Modul, eine Integration oder einen internen Kontrollprozess. Danach muss die Steuerregel zur validierten Kundensituation passen.


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Über den Autor

Jimmy Sagnier

Business Developer

Als Business Developer bei Eurofiscalis unterstützt Jimmy Sagnier E-Commerce-Unternehmen und international tätige Firmen beim Verständnis der europäischen Mehrwertsteuervorschriften. Dank seiner praktischen Erfahrung erklärt er komplexe Steuerth­emen — steuerliche Vertretung, Intrastat, OSS — verständlich und praxisnah, damit Unternehmen konform und sicher im Auslandsgeschäft agieren können.